Andreas Stieglitz
Walfang

Um 1856 begann auf Flores der azoreanische Walfang, nachdem Azoreaner schon ab 1765 von amerikanischen Walfangbooten angeheuert worden waren. Alle anderen Inseln zogen nach. Gejagt wurden Pottwale (port. cachalotes). Diese gewaltigen Meeres-Säugetiere werden bis 18 m lang und bis 40 Jahre alt. Pottwale tauchen bis 1000 m tief, während andere Wale dicht an der Wasseroberfläche bleiben, und verbleiben bis zu einer Stunde unter Wasser. Der Pottwal ernährt sich von Tintenfischen, die er mit Schallwellen ortet. Der weltweite Bestand wurde durch den Walfang um 2/3 reduziert.

Auf den Azoren entstanden Walausgucke (Spähposten; vigias) und Wal verarbeitende Fabriken. Man blieb jedoch beim küstennahen Walfang mit flinken, bis zu 12 m langen Ruderbooten (canoas). Die Harpunen waren an 500-600 m langen Leinen befestigt, die das Boot hinter sich herzogen. Aus nächster Nähe wurde dann mit Lanzen auf den Wal eingestochen. Walöl wurde als Lampenöl verwendet, Walfett ging für Seife und Kosmetika in den Export, Fleisch wurde verfüttert oder zu Dünger verarbeitet. Gemäß des internationalen Artenschutzabkommens wurde der Walfang auf den Azoren 1981 eingestellt. Auf traditionelle Weise wurde der letzte Wal am 24. November 1981 erlegt. Interessante Walfang-Museen gibt es in Lajes do Pico und in Santa Cruz da Graciosa.

Walfängerboote im Hafen von Lajes do Pico

Walausguck

Als die Azorianer noch den Walfang betrieben, gab es ein ausgeklügeltes Signalsystem. Verstreut standen bunkerähnlichen Beobachtungsposten (vigia de baleia) an allen wichtigen Aussichtspunkten oberhalb der Küsten. Durch den schmalen Sehschlitz suchte der Wachtposten (vigia) den Meereshorizont blendungsfrei nach den charakteristischen Wasserfontänen der Wale ab. Mit Rauchzeichen oder Signalraketen konnte der vigia die Walfänger alarmieren, die dann sogleich jede Arbeit liegen ließen und vom nächstgelegenen Hafen aus mit kleinen Booten in See stachen. Nun begann der Signalmann (sinalizador) mit seiner Arbeit. Auf dem Dach des Walausgucks wurden Signalflaggen gehisst oder große Tücher gespannt, um den Walfängern die richtige Route zu zeigen. Erst in neuerer Zeit wurde diese traditionelle Methode der Nachrichtenübermittlung durch Funk ersetzt.