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Geologie und Vulkanismus auf den Azoren
Wie alle atlantischen Inseln sind auch die Azoren vulkanischen Ursprungs. Sie liegen auf dem Mittelatlantischen Rücken, einer
geologisch äußerst aktiven Zone, die im Meeresgrund zwischen Europa sowie Afrika auf der einen und Amerika auf der anderen Seite des Atlantiks verläuft. Im Rahmen der Plattentektonik reißt die Erdkruste auf dem
Meeresgrund immer wieder auf, so dass glutflüssige Gesteinsschmelze empordringen kann. Das abkühlende Magma hat nach und nach einen unterseeischen Gebirgsrücken aufgebaut, dessen höchste Gipfel – die Azoren – heute
knapp über die Wasseroberfläche ragen. Die nordamerikanische, eurasische und afrikanische Platte treffen ungefähr 170 km nordwestlich von Faial aufeinander. Die Azoren liegt auf einer Mikroplatte, die vom
mittelatlantischen Rücken und vom Terceira-Graben begrenzt wird.
Auf den meisten Azoreninseln wird das Landschaftsbild von kegelförmigen Vulkanen (so genannten Schicht- oder Stratovulkanen)
mit steilen Seitenwänden bestimmt. Diese Vulkane haben beim Ausbruch abwechselnd Schlacke und Lava gefördert, wodurch die Tuff- und Lavaschichten aufgebaut wurden. Häufig sind aus ihnen die typischen Vulkankrater
oder größere Caldeiras (wörtlich ›Suppenkessel‹) hervorgegangen. Eine Caldeira (was nichts anderes als ein großer Krater ist) entsteht durch eine Explosion und den nachfolgenden Einsturz des ursprünglichen
Vulkankegels. Auf dem Grund des abflusslosen Kraterkessels bildet sich mit der Zeit meist ein See; die Kraterwände steigen innen steil an, während sie am Außenhang etwas sanfter abfallen.
Zwei Grundtypen der Vulkane lassen sich auf den Azoren unterscheiden. Die meisten kleineren Kegel gehören zum
strombolianischen Typ. Kennzeichnend sind regelmäßige Ausbrüche mittlerer Stärke, so dass sich im Inneren des Vulkans keine hochexpolsiven Magmaherde bilden. Bei solchen Vulkanen vermischen sich Gase leicht mit
flüssigem basaltischen Magma. Beim Ausbruch entstehen Eruptionssäulen bis 1 km Höhe, die aus Gasen, Schlacken (Asche) und Lavabrocken bestehen. Die beim strombolianischen Typ entstehenden Schlackenkegel werden
mancherorts als Steinbruch benutzt, da sich der grobe, poröse Schotter (begaço) gut als Baustoff (z.B. zur Herstellung von Hohlblocksteinen) eignet. Ein berühmter europäischer Vertreter dieses Vulkantyps ist
der Ätna auf Sizilien.
Von großer Explosionskraft sind hingegen Vulkane des plinianischen Typs
wie die Caldeira auf Faial. Die trachytische Lava ist sehr dickflüssig und Gase können nur explosiv entweichen. Gase, Schlacken und Lavabrocken werden bis in Wolkenhöhe geschleudert. Die Eruptionssäulen dieser explosiven Feuerschlucker können sogar bis über 12 km (!) Höhe erreichen und weite Flächen werden vom Auswurf bedeckt. Benannt ist dieser Vulkantyp nach Plinius dem Jüngeren, der 79 n.Chr. einen großen Ausbruch des Vesuvs erlebte und beschrieb.
Im Hochland von Terceira gibt es so genannte hornitos – merkwürdig geformte Huppel und Ausbeulungen – in der Landschaft. Diese Brocken wurden einst aus Vulkanschloten ausgeworfen und heißen daher auch Spritzkegel (engl. spatter
cones). Die größeren Erhebungen sind gleichmäßig abgerundete Kuppen, aus denen zähflüssige Lava herausgesickert ist.
Auf den Azoren ist die Erde noch lange nicht zur Ruhe gekommen. Die tektonischen Platten, auf denen die Inseln aufsitzen,
verschieben sich stetig – die Ost- und Mittelgruppe um etwa 1,5 cm pro Jahr nach Osten, Flores und Corvo mit ungefähr derselben Geschwindigkeit nach Westen. Hierdurch kommt es zu ständigen Reibungen in der
Erdkruste, die jedoch zumeist nur von Seismographen registriert werden. Stärkere, ruckartige Bewegungen lassen jedoch die Erde spürbar erbeben.
Auf allen Inseln außer Santa Maria, Flores und Corvo gab es in historischer Zeit wiederholt Erdbeben, so 1980, als Angra do
Heroísmo auf Terceira schwer zerstört wurde, und 1998, als die gesamte Mittelgruppe erschüttert wurde und insbesondere auf Faial große Zerstörungen zu beklagen waren. Auch Vulkanausbrüche (zuletzt 1957/58 auf Faial)
versetzten die Bevölkerung in Angst und Schrecken und führten in der Vergangenheit oft zu Auswanderungswellen. Moderne Häuser sind meist ziemlich erdbebensicher gebaut, doch leider sind es gerade die wunderschönen
alten Steinhäuser, deren Trockenmauern besonders gefährdet sind.
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