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Unter allen Inseln des Mittelmeeres ist Sardinien vielleicht die rätselhafteste. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die
»vergessene Insel« von den Reisenden entdeckt. Beeindruckt von einer archaischen Kultur und einem fremdartigen, zuweilen abweisend öden Land, beschrieb D. H. Lawrence 1921 in »Sea and Sardinia« das Gefühl des
Urtümlichen und Zeitlosen, das die Besucher Sardiniens bis heute ergreift: »Nun war kein Leben in Sicht, nicht einmal ein Schiff auf dem blassblauen Meer... Felsgestein tritt zutage. Es war ein wildes,
dunkel-buschiges Land, dem Himmel ausgesetzt, dem Meer und der Sonne überlassen.« Während Italien unsere Vorstellung einer klassischen Kulturlandschaft geformt hat, wird das Antlitz Sardiniens bis heute von einer
viel älteren, vorgeschichtlichen Kultur geprägt. Die vielen tausend Nuraghen zeugen davon, und auch das oft karge, felsige Land scheint in eine
ferne Vorzeit zu verweisen. Jahrtausende der Menschheitsgeschichte sind an der Insel vorbeigezogen, scheinbar ohne sie in ihrem Wesen verändert zu haben. Irgendwo zwischen Europa und Afrika gelegen, befand sich
Sardinien in geschichtlicher Zeit stets am Rande der abendländischen Kulturen. Die Insel wurde von fernen Herrschern regiert, doch gelang es ihnen nie, von ihr wirklich Besitz zu ergreifen. Der genius loci konnte
sich auch – und gerade in den Zeiten der Fremdherrschaft – erhalten; lang anhaltende Isolation hat bis in unser Jahrhundert hinein archaische Traditionen am Leben erhalten.
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Beeindruckend in seiner Einsamkeit und Weite ist das Granit-Bergland nördlich von Nuoro, der Nuorese. Weithin erstrecken sich
Viehweiden und lichte Korkeichenwälder; nur hin und wieder begegnet man einem Hirten. Hier in dieser archaischen Welt spielen die Erzählungen und Romane von Grazia Deledda, der sardischen
Nobelpreisträgerin für Literatur.
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Einige Fakten und Zahlen: Sardinien (ital. Sardegna) gehört politisch zu Italien und hat seit 1948 den Status einer
Autonomen Region. Angesichts ihrer Größe und landschaftlichen Vielfalt wird die Insel oft auch als »kleiner Kontinent« bezeichnet. Mit einer Fläche von 23813 qkm ist Sardinien nur geringfügig kleiner als Sizilien,
die größte Insel im Mittelmeer. Zwischen der Punta del Falcone im äußersten Norden und der Südspitze am Capo Teulada sind es 271 km, bei einer maximalen West-Ost-Erstreckung von 143 km. Einschließlich der kleinen,
vorgelagerten Inseln erreicht Sardinien eine Küstenlänge von 1843 km. Der Umriss gleicht einem leicht eingebuchteten Rechteck, dessen entfernte Ähnlichkeit mit einem Fußabdruck die griechischen Schriftsteller der
Antike zu der Bezeichnung ichnousa (»Sohle« oder sandaliotis »Sandale«) veranlasst hat.
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Schroff erhebt sich der Supramonte, auch die “sardischen Dolomiten” genannt, an der mittleren Ostküste Sardiniens
längs des Golfs von Orosei. Das wild zerklüftete Karstmassiv ist ideal zum Wandern geeignet, zieht aber auch Kletterer und Höhlenkundler (Speleologen) in seinen Bann. Zu den landschaftlichen Höhenpunkten
gehören die Schlucht Golu su Gorroppu und und der Monte Tiscali mit seiner Einsturzdoline.
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Das zentral im westlichen Mittelmeer gelegene Sardinien ist von seiner Nachbarinsel Korsika durch die nur 12 km breite
Meerenge von Bonifacio getrennt, doch bestand nie viel Kontakt zwischen beiden Inseln. Nur 175 km sind es zur afrikanischen Küste, 200 km zum europäischen Kontinent. Damit ist Sardinien weiter vom Festland entfernt
als jede andere Insel im Mittelmeer.
Als ein Volk von Hirten und Bauern lebten die Sarden bis vor kurzem eher meerabgewandt, Fischfang und Handelsschiffahrt waren
unbedeutend. Es fehlten geschützte Naturhäfen, und überdies waren die Küstenebenen bis in dieses Jahrhundert als malariaverseuchte Fiebergründe gefürchtet. Erst der in den 1960er Jahren einsetzende Badetourismus hat
eine Umkehr gebracht und den Blick auf die Küsten gelenkt.
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Sardinien ist eine Insel der Steine und Felsen. In blassen Schattierungen zeichnen sich schier endlos gestaffelte
Gebirgsketten in dunstiger Ferne ab. Gezackte Granitkämme, zerschnittene Schiefergebirge und schroffe Karstmassive mit tiefen Felsschluchten wechseln einander ab. Majestätische Tafelberge und kühne Vulkankegel
erheben sich aus weiten, afrikanisch anmutenden Ebenen. Wind und Wetter haben phantastisch geformte Granitfelsen geschaffen. Weit verzweigte Tropfsteinhöhlen erstrecken sich im Innern der Kalksteingebirge, reiche
Erzadern durchdringen kahles paläozoisches Bergland. Und nicht zu vergessen, das Werk der Menschen: Unzählige Mauern, aus den so überreich vorhandenen Steinen geschichtet, überziehen zur Einfriedung von Feldern und
Weiden die herbe Landschaft.
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Entdeckungsreise durch Sardinien Nuraghen und Naturerlebnis
Natur und Kultur aktiv erleben: entdecken Sie die Höhepunkte Sardiniens auf einer zweiwöchigen Reise. Detailliert
sind die Tagesetappen mit allen Sehenswürdigkeiten und praktischen Informationen beschrieben – von der lebhaften Hauptstadt Cagliari quer durch die Insel bis zur mondänen Costa Smeralda. Geradezu
überwältigend ist die landschaftliche Vielfalt der zweitgrößten Insel im Mittelmeer – von den Traumstränden am türkisblauen Meer bis zum einsamen, mit dichten Eichenwäldern bedeckten Bergland.
Vorgeschichtliche Kulturen haben ebenso wie Karthager, Römer, Byzantiner, Pisaner und Spanier ein reiches Erbe hinterlassen. Auf geschichtsträchtigem Boden erheben sich tausende von Nuraghen, Steintürme
einer berühmten bronzezeitlichen Kultur, stolz in der Landschaft.
Erhältlich im Buchhandel oder Internet (hier der direkte Link zum Buch) bei Amazon oder Libri. Für Wanderfreunde die ideale Ergänzung: der
DuMont- oder Sunflower-Wanderführer. Inhaltsübersicht. 19,80 Euro; ISBN 3-8330-0170-4
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Bosa am Fluss Temo: ein wunderschönes Städtchen mit malerischer Altstadt, überragt von einem halbverfallenen
Kastell aus dem Mittelalter. Als einziger Fluss Sardiniens ist der Temo in seinem Unterlauf schiffbar. Etwas flussaufwärts steht die in ihrer Schlichtheit beeindruckende frühromanische Kirche San Pietro
extramuros.
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Est tundu e non est mundu,
est rubin e non est fogu,
est birde e non est erba,
est abba e non est funtana.
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Ist rund und ist nicht die Welt,
ist rot und ist nicht Feuer,
ist grün und ist nicht Kraut,
ist Wasser und ist keine Quelle.
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