|
Die Stadtpfarrkirche (Matriz) São Sebastião in Ponta Delgada ist mit ihren Portalen ein besonders schönes Beispiel für den
manuelinischen Stil (Emanuelstil) oder die so genannte Manuelinik. Dieser eigentümliche, auf Portugal beschränkte Übergangsstil von der Spätgotik zur Frührenaissance (um 1500-1580) ist nach dem portugiesischen König
Manuel benannt. In seiner Regierungszeit (1495-1521) erreicht Portugal den Höhepunkt seiner Macht; es ist das Zeitalter der Entdeckungen. Bei der Manuelinik handelt sich um einen rein dekorativen Stil, bei dem keine
neuen Konstruktionsprinzipien zum Tragen kommen. Muscheln, Schiffstaue, Knoten, exotische Pflanzenornamente, Meerestiere und andere Elemente aus der Seefahrt finden ornamental Verwendung. Gedrehte Säulen, die der
Renaissance eigentlich völlig fremd waren und erst viel später (im Barock) zur Mode wurden, erinnern an Schiffstaue.
|