Andreas Stieglitz
Ponta Delgada
Jardim José do Canto
São Miguel

São Miguel (›Sankt Michael‹) gilt angesichts der Größe, Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft als die Hauptinsel. Sie ist die vielleicht vielfältigste Azoreninsel - ideal für ein erstes Kennenlernen des Archipels. Die Küste fällt vielfach steil und felsig zum Meer hin ab; die Nordküste ist dabei etwas rau´er und schroffer als die eher liebliche, stellenweise fast mediterran wirkende Südküste, an der auch einige schöne Sandbuchten liegen. Die geschäftige Hauptstadt Ponta Delgada besitzt eine schöne Altstadt, die ganz in den Farben schwarz und weiß gehalten ist. Besonders sehenswert unter den verschiedenen Kirchen ist die Stadtpfarrkirche São Sebastião (16. Jh.) mit ihren Portalen im manuelischen Stil. Sehr lohnend ist ein Besuch des Museu Carlos Machado im ehemaligen Kloster Santo André, das über die Kultur und Geschichte der Azoren informiert.

Wie alle atlantischen Inseln ist auch São Miguel vulkanischen Ursprungs. Das bemerkt man meist erst auf den zweiten Blick, denn die Insel präsentiert sich in üppigem Grün und hat daher auch den Beinamen ›Ilha Verde‹ (Grüne Insel) erhalten. São Miguel besteht aus unterschiedlichen Vulkanmassiven, die erst nach und nach zusammengewachsen sind. Im Osten liegt die mit drei bis vier Millionen Jahren älteste Gebirgsregion, die schluchtenreiche Serra da Tronqueira mit der höchsten Erhebung der Insel, dem Pico da Vara (1103 m). Es ist eine einsame, dünn besiedelte Landschaft mit Wäldern und Hochweiden, oft in Nebel gehüllt und nur schwer zugänglich. Die Inselmitte wird von der Serra de Água de Pau gebildet, einem großen Vulkanmassiv um den Pico da Barrosa (947 m). Hier erstreckt sich die Lagoa do Fogo (›Feuersee‹) mit ihrem hellen Strand aus feinem Bimskies.

An der geologischen Nahtstelle zwischen diesen beiden Gebirgsmassiven sind in geologisch jüngerer Zeit zwei große Caldeiras entstanden: der Talkessel von Povoação und der angrenzende Talkessel von Furnas mit seiner idyllischen Ortschaft und dem See. Dampfende Quellen, kleine Geysire, blubbernde Schlammlöcher und heiße Felsen zeugen in Furnas von der vulkanischen Aktivität dicht unter der Erdoberfläche.

Der Westen von São Miguel wird von der berühmten Caldeira das Sete Cidades aufgebaut. Inmitten dieses riesigen Kraterkessels liegen die beiden verschiedenfarbigen Seen Lagoa Azul und Lagoa Verde. Zwischen Ponta Delgada und Ribeira Grande erstreckt sich die jungvulkanische Pico-Zone. Diese Landbrücke ist vor rund 50.000 Jahren zwischen den ursprünglich getrennten Inselteilen entstanden und mit rund 65 kleineren Vulkankegeln übersät, die erst vor rund 5000 Jahren ausbrachen. 1652 kam es zur bislang letzten Eruption, als der Pico do Fogo nördlich von Vila da Lagoa Feuer spie.

Die Besiedlung von São Miguel begann 1439, als Heinrich der Seefahrer die königliche Erlaubnis erhielt, Siedler vom portugiesischen Festland (Estremadura, Alto Alentejo, Algarve) und von Madeira sowie einige Ausländer (hauptsächlich Franzosen aus der Bretagne, daher auch bis heute die Region „Bretanha“ im Nordwesten der Insel) nach São Miguel zu holen.

Links: Lagoa Azul. São Miguel; unten: Lagoa do Fogo