Andreas Stieglitz
Pico-Wein
Pico

Pico, die zweitgrößte Insel des Archipels, wird von dem gewaltigen namengebenden Vulkankegel beherrscht. Mit 2351 m ist der Pico der höchste Gipfel der Azoren und ganz Portugals. Höhe und Steilheit dieses wahrhaft majestätischen Vulkans – einem der schönsten der Welt – sind sowohl aus der Nähe als auch von den Nachbarinseln aus nur schwer zu erahnen. Pico bietet jedoch mehr als den beherrschenden Gipfel, denn das geologische Rückgrat der zweitgrößten Azoreninsel setzt sich weit nach Osten hin fort. Hier reiht sich auf einer mittleren Höhe von 800 m ein Vulkankegel an den anderen; verborgen in den Senken liegen kleine Seen.

Mit einem Alter von rund 300.000 Jahren ist Pico die jüngste Azoreninsel. Sie besteht aus dem Namen gebenden Schichtvulkan im Westen und dem älteren Vulkanrücken im Osten. Mit seinen bis zu 40 Grad steilen Hängen gilt der Pico als typischer Schichtvulkan. Es ist allerdings etwas ungewöhnlich, dass er aus basaltischer Lava besteht, denn die meisten Schichtvulkane bestehen aus silikatreicherer Lava wie Andesit. Vermutlich fördert der Schlot ziemlich zähflüssige Lava, die nicht weit fließt, ehe sie erkaltet und erstarrt; auf diese Weise konnte um den Schlot herum allmählich der steile Vulkankegel entstehen. Die Schwefelausgasungen auf der Spitze zeigen, dass der Pico ein schlafender Vulkan ist, der jederzeit wieder ausbrechen kann.

Der Westen und die Mitte der Insel waren bis in historische Zeit von Vulkanausbrüchen betroffen. Hier hat sich auch 1718 auf 1300 m Höhe an den Hängen des Pico die jüngste Eruption ereignet. Der Lavastrom floss nach Norden und erreichte bei Santa Luzia die Küste. Auf solchen felsigen jungvulkanischen Lavadecken, genannt mistérios (wörtlich ›Mysterien, Geheimnisse‹), konnte sich bisher kaum eine Bodenkrume bilden; in weiten Bereichen hat sich hier Wald angesiedelt. Vor allem in Küstennähe wurden die Lavabrocken jedoch auch zu Lesesteinhaufen (moroiços) und zahllosen Steinmäuerchen zusammengetragen. In den kleinen geschützten Gevierten werden Wein und Feigen kultiviert.

Hauptort ist Madalena, von wo regelmäßige Fährverbindungen nach Horta bestehen. Lajes do Pico war über Jahrhunderte ein Zentrum des Walfangs, worüber das Museu dos Baleeiros (Walfangmuseum) auf interessante Weise informiert. Die Männer von Pico galten als ganz besonders mutige Walfänger; Herman Melville hat ihnen in seinem Roman ›Moby Dick‹ ein literarisches Denkmal gesetzt. Heute kann man an Schiffsausflügen zur Walbeobachtung (whale-watching) teilnehmen, die vor Ort von verschiedenen Veranstaltern angeboten werden.

Wenn der Pico den charakteristischen “Wolkenhut” trägt, ist dies ein sicheres Anzeichen für schlechtes Wetter.

Eine Stufenpyramide, geschichtet aus Lavasteinen, im Park der Quinta das Rosas oberhalb Madalena. Im Vordergrund ein prächtiger Baumfarn.