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Steinmäuerchen und Weingärten
Unzählige kleine Weingärten, von Steinmäuerchen eingefasst, erstrecken sich an der Westküste von Pico. Generationen von
Menschen haben dazu gebraucht, das steinige Land in diese einzigartige Kulturlandschaft zu verwandeln. Geschützt vom Wind und von der Sonne verwöhnt, reifen hier die Weinreben ganz besonders gut heran. Der Weinbau
wurde bereits im 16. Jh. von Franziskanern und Karmelitern auf Pico eingeführt; in der Mitte des 17. Jh. kamen die Jesuiten hinzu. Die Orden residierten in Horta auf Faial, von wo aus die Weingüter auf Pico
bewirtschaftet wurden. Die Weingärten (currais, Sing. curral) mussten mühsam angelegt werden. Die Steine speichern die Wärme; die Mäuerchen schützen vor Wind und Gischt. Bereits am Anfang des 17. Jh.
hatten die Weingüter Picos Handelsniederlassungen in Brasilien und Nordeuropa; der Pico-Wein (verdelho) wurde sogar am russischen Zarenhof kredenzt. Dort trank man ihn als Aperitif wie einen Madeira- oder
Portwein. Tolstoi erwähnt Pico-Wein sogar in seinem Werk „Krieg und Frieden“. Besonders verdient gemacht um den Handel mit Pico-Weinen hat sich insbesondere die deutsche Kaufmannsfamilie Wants Walter.
Fast alle Weinstöcke des verdelho antigo fielen 1852 dem Mehltau zum Opfer. 20 Jahre danach wurden die überlebenden Weinstöcke von der Reblaus befallen, einem Parasit, der die meisten europäischen Reben zugrunde gehen ließ. Europäische Edelreiser müssen seither auf reblausresistenten amerikanischen Unterlagen gepropft werden. Auf Pico machte man sich nicht die Arbeit der Pfropfung, sondern pflanzte direkt die robuste amerikanische Isabel-Rebe. Der aromatische, aber etwas strenge und herbe Geschmack hat dem Wein seinen Namen verliehen – Vinho de Cheiro (›Duftwein‹). Dieser Rotwein wird bis heute in vielen privaten adegas als Hauswein gekeltert, aber aufgrund von EU-Bestimmungen zur Verbesserung des europäischen Weinbaus darf dieser Wein nicht mehr offiziell verkauft werden.
Inzwischen wurden neue Rebsorten eingeführt, die auf alten, genetisch verbesserten Sorten wie arinto, verdelho und terrantês basieren
und zu guten Tafelweinen ausgebaut werden. Der größte Teil des Weins wird genossenschaftlich von der Cooperativa Vitivinicola da Ilha do Pico erzeugt. Terras de Lava ist ein 1995 eingeführter Weißwein aus seara-nova, generosa und arinto-Reben,
Basalto ein roter Tafelwein. Lajido ist ein ausgezeichneter, 16-prozentiger VLQPRD-Aperitif, der bei 8-10 Grad getrunken wird und sich auch als Digestif empfiehlt. (VLQPRD = Vinho Licoroso de Qualidade Produzido em
Região Determinada)
Ein Besuch der Insel Pico ist jedoch nicht vollständig, ohne einen Schoppen des leicht kratzigen vinho de cheiro probiert
zu haben. Man braucht nur in einer Bar oder in einem Restaurant nach offenem Rotwein zu fragen; unter dem Namen „Cavaco“ ist auch auf Flaschen gezogener vinho de cheiro im Handel.
Seit dem Jahr 2002 stehen einige Teilbereiche der Lava-Weingärten auf Pico als UNESCO-Weltkulturerbe unter Schutz.
Interessant ist der Besuch des Weinmuseums (Museu dos Vinhos do Pico) in der Ageda dos Frates in Madalena, dem alten
Karmeliterkloster aus dem 17. Jh. Öffnungszeiten: Di-Sa 9-12.30 und 14-17.30, am Wochenende 9-12 Uhr. Neben der Ausstellung von Gerätschaften und eindrucksvollen sw-Fotografien kann man die Außenanlagen besichtigen
und auch einen Blick in die alte Destille werfen. Außerdem gibt es einen Probierstand.
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