Andreas Stieglitz
Orseilleflechte

Orseilleflechte (Roccella tinctoria)

port. urzella, urzela, span. orciglia, orciglio, orchilla, ital. oricello, engl. orchal, orchil, archil, orchilla, franz. orseille, orchal, orsellé

Roccella ist eine Flechte, d.h. ein Doppellebewesen aus einem Pilz und einer Alge, die in Symbiose miteinander leben. Roccella tinctoria und Roccella fuciformes (vor allem im Spritzwasserbereich verbreitet) gehören zur Gruppe der Lackmusflechten, die früher als Färbemittel verwendet wurden und wichtige Grundstoffe für Farben lieferten. Flechtenfarben ergaben besonders warme und tiefe Farbtöne. Allerdings waren sie nicht lichtecht und wurden von synthetischen Farben verdrängt. Das Pigment dient bis heute als Indikator für Säuren oder Basen (pH-Wert). In basischen Lösungen färbt es sich blau, in sauren Lösungen rot. Lackmus, engl. litmus, leitet sich von einer älteren Wortform ab, die wörtlich „gefärbtes Moos“ bedeutet.

1829 isolierte Pierre Robiquet durch Extraktion mit Äthanol erstmals orcine (heute Orcinol genannt) als große farblose Prismen aus der Flechte. Den violetten Farbstoff, den er durch Reaktion mit Ammonium und Luft erhielt, nannte er orcéine.

Weitere Informationen:

http://www.chriscooksey.demon.co.uk/lichen/orchil.htm