Andreas Stieglitz
Jardim José do Canto

Jardim José do Canto

Der Jardim José do Canto (R. José do Canto) in Ponta Delgada gehört zu den vielen botanischen Gärten, die im 19. Jh. auf S. Miguel angelegt wurden. José do Canto, eine der großen Persönlichkeiten der Insel, ließ den Park ab 1840 auf einem alten Familiengrundstück anlegen. Die Statue des Gründers begrüßt heute Besucher gleich nach Betreten des Parks. Der ursprüngliche Gartenplan stammte von dem Londoner Architekt David Mocatta. José do Canto erweiterte die Anlage und erwarb über ein halbes Jahrhundert Pflanzen aus aller Welt. E. Goeze, ein Deutscher, der Direktor des Gartens der Universität von Coimbra war und 1867 nach S. Miguel kam, um dort Pflanzen in Empfang zu nehmen, befand: „Mit seinen über 3000 Arten ist der Garten von José do Canto zweifellos der vielfältigste von allen. Keiner der Privatgärten in Europa, die wir zu besuchen Gelegenheit hatten, kann sich mit ihm vergleichen.

Auf dem Gartengelände, das seit über 17 Generationen im Besitz derselben Familie ist, stehen heute mehrere Gebäude: ein „viktorianisches“ Gewächshaus, das heute als Pavillon für Feiern dient; die Kapelle Sant’Ana (17. Jh.); ein Herrenhaus aus dem 18. Jh., das als Hotel hergerichtet wird; und der Palast, der Anfang der 1940er Jahre errichtet wurde. (Das alte Haus auf dem Gelände, das aus dem 16. Jh. stammte, war infolge eines Erdbebens verfallen.) Der ursprüngliche Plan zum Bau des Palastes wurde nicht ausgeführt; nur ein Drittel des Gebäudes (der Ostflügel) wurde erbaut. Die Architektur des Palastes wurde in strenger Übereinstimmung mit dem klassizistischen Prinzipien des italienischen Baumeisters Andrea Palladio (1508-1580) entworfen. Gemäß der Vorstellung seiner Erbauer sollte das Gebäude den Stil Palladios auf S. Miguel in reiner Form repräsentieren. Beim Bau wurden lediglich Arbeiter von der Insel beschäftigt; ausschließlich örtliches Baumaterial kam zum Einsatz. Das gesamte Gebäude besteht aus großen Basaltblöcken, von denen rund 3500 Stück mit der Hand gesägt wurden. Zu den Hölzern, die verarbeitet wurden, gehören Akazie, alte Sicheltanne, Zeder und Harthölzer von Bäumen aus dem Park, die durch Windwurf umgefallen waren. Der Park und die Gebäude sind als Denkmäler registriert.