Andreas Stieglitz
Heinrich von Maltzan

Amüsant, hintergründig, informativ: Heinrich von Maltzans unterhaltsamer Reisebericht von 1868 über Sardinien hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren. Ein Klassiker der Reiseliteratur. 476 Seiten.  27,80 Euro

Überall im Buchhandel erhältlich und auch online zu bestellen bei Libri oder Amazon (hier sind die direkten Links hinterlegt).

ISBN 3-8311-3565-7

Buchrezension aus der Frankfurter Rundschau, Magazin S. 10
Erscheinungsdatum 16.11.2002

Nostalgisch auf Sardinien

Dieses Buch, das den nichtssagenden Titel Reise auf der Insel Sardinien trägt und schon vor einer Ewigkeit erschien, im vorvorigen Jahrhundert nämlich, ist wie ein Fenster in eine andere, längst vergangene Zeit. Damals brachen gebildete, neugierige und abenteuerlustige Frauen und Männer in ferne und fremde Ländern auf, um dort nicht die Sonne anzubeten, sondern Entdeckungen zu machen, Wissen zu sammeln und die Augen für den Blick über den Horizont hinaus zu schulen.

So ein Mensch war Heinrich von Maltzan, ein damals geschätzter und bekannter Orientalist, Abenteurer und Reiseschriftsteller. Was der Freiherr klug über die Geschichte, Kultur, die Bräuche, die Architektur, Fauna und Flora, sowie die sozialpolitischen Verhältnisse Sardiniens schrieb, ist - mit Abstrichen, gewiss - bis heute gültig und schlägt jeden modernen Reiseführer um Längen. Überaus amüsant zu lesen sind Maltzans Betrachtungen über die damaligen Reisenden. In dieser Hinsicht urteilt er nicht anders als die Kritiker der angeblich tumben Touristen des 21. Jahrhunderts, elitär nämlich. Bei Maltzan heißen die Reisenden dann "blasierte Touristen" oder "fade Stutzer", die "nur aus Mode reisen", während er ja das Unverfälschte, das Echte, das Original sucht, das damals allerdings bereits im Verschwinden begriffen war.

"Im Norden", schreibt Maltzan, "ist in den letzten Jahrzehnten das Nationalkostüm fast allgemein durch das gewöhnlich europäische verdrängt worden, das natürlich von der Dorfbevölkerung auf die ärmste und unschönste Weise getragen wird." Dieser von der heutigen Tourismuskritik heftigst beklagte Prozess ist also kein Phänomen der Gegenwart. Maltzans 460 eng beschrieben Seiten erzählen deswegen auch eine Kulturgeschichte des Reisens. rsh

Die Reise auf der Insel Sardinien, von Heinrich von Maltzan, neu herausgegeben von Andreas Stieglitz. Das Buch ist als "Book on Demand" erschienen und wird über Libri an den Buchhandel ausgeliefert, 460 Seiten, 27,80 Euro.

Copyright © Frankfurter Rundschau 2002

“O ihr naiven Touristen, die ihr in den Ateliers der Genremaler in Rom das römische Nationalkostüm bewundert und dabei wähnt, etwas Naturwüchsiges zu sehen, während ihr in Wirklichkeit nur eine Maskerade vor Augen habt. Wolltet ihr einmal dieser Tradition der Mode entsagen, die euch nur Geheucheltes und Falsches bietet, und hierher kommen, dann würdet ihr sehen, dass es doch noch in einem zu Italien gehörigen Lande etwas Unverfälschtes gibt, welches noch nicht von Lohnbedienten und spekulativen Künstlern modegerecht zugestutzt ist. Aber freilich – ihr liebt mehr euer Rom oder Neapel und die anderen fünf oder sechs Städte, die im Baedeker als unvermeidlich beschrieben werden, ihr wollt lieber das zum tausend und ersten Mal sehen, was schon tausend Mal beschrieben worden ist, und solche Länder wie Sardinien liegen für euch außer der Welt. Und das ist vielleicht auch recht gut, denn es ist ein Glück, dass es noch interessante Gegenden in der Welt gibt, die noch nicht Mode geworden sind und noch nicht allwinterlich von so genannten Vergnügungszügen heimgesucht und von einem Schwarm der Touristen mit roten Büchern unterm Arm, von Stutzern und Modedamen und von ihrem Gefolge, den banditenhaften Kurieren und Lohnbedienten, überlaufen werden. Drum bleibt nur in Rom, ihr lieben Touristen, und verderbt mir solche Länder wie Sardinien nicht.”

Auszug aus: Heinrich von Maltzan, Reise auf der Insel Sardinien, Seite 18-19

Aus Zuschriften

Lieber Herr Stieglitz,
was für eine Überraschung: Wir können noch mal auf der Insel Sardinien hin- und herreisen, dieses Mal auf den Flügeln der Erzählkunst eines Heinrich von Maltzan und den überaus interessanten Anmerkungen von Andreas Stieglitz. Kein Reiseführer gibt das her, was diese wunderbare Kombination von Erzählung und Information leistet. Wir danken Ihnen sehr dafür!
   I. und G. B., Berlin

Der Maltzan-Band sieht nicht nur sehr hübsch aus, das Buch ist auch so humorvoll und witzig geschrieben, dass ich es mit Freude wie einen Roman lese. Über Ihre kenntnisreichen kommentierenden Fußnoten kann ich nur staunen - sie sind ein zusätzliches Vergnügen. Herzlichen Dank.
   Dr. G. K., Berlin

Buchtipp: Ein Klassiker der Reiseliteratur, neu herausgegeben und sachkundig kommentiert, ist Heinrich von Maltzans “Reise auf der Insel Sardinien”  Berliner Morgenpost, 20.10.2002

Eine online-Rezension findet sich auch im virtuellen Sardinien-Reisemagazin

Ergänzungen zur 1. Auflage

Villa d’Orri (S. 147)
Diese Villa der adligen Familie Manca di Villahermosa liegt östlich der Landstraße, die von Sarroch nach Norden führt, inmitten eines schönen Parks und wurde einst innerhalb eines großen Landgutes erbaut. Hier wohnten die piemontesischen Könige und Prinz Carlo Felice für lange Zeit, als sie sich während der Herrschaft Napoleons (1799-1814) auf Sardinien aufhielten. Im Innern der Villa sind die Schlafgemächer der Piemontesen und wertvolle Kunstwerke zu sehen.

S. 290: versicherte

Scala di Giocca (S. 361, 362, 367)
wörtlich “Schneckentreppe”. Sassari liegt auf einem miozänen Kalksteinplateau, das im Süden steil abbricht. Diese Steilflanke führt die Scala di Giocca in Serpentinen hinauf.

Lat. Zitat Seite 389 (Hinc illae irae): Daher jener Zorn