Andreas Stieglitz
Flores / Corvo

Flores und Corvo bilden die westlichsten Vorposten Europas im Atlantik. Eigentlich gehören die beiden Inseln sogar schon zur Neuen Welt, denn geologisch gesehen sitzen sie auf der Amerikanischen Platte und wandern so allmählich gen Westen.

Flores (›Blumen‹) verdankt seinen Namen der Üppigkeit seiner Pflanzenwelt. Es ist die feuchteste Azoreninsel, was sich nicht nur an den Niederschlagswerten, sondern auch an der hohen Luftfeuchtigkeit zeigt. Für gewisse Kapriolen des Wetters, die auch schon einmal den Flugplan der SATA durcheinander bringen, ist die wildromantische Naturlandschaft aber mehr als Entschädigung.

Dramatische Küsten, tief eingeschnittene Täler und steil abbrechende Felswände, an denen Wasserfälle hunderte von Metern herabstürzen, wechseln einander ab, unterbrochen von bizarren Felsformationen wie den Basaltsäulen der Rocha dos Bordões. Ursache für diese Vielgestaltigkeit ist die besondere geologische Struktur von Flores, denn anders als auf den übrigen Azoren herrscht basaltisches Gestein vor. In den zahlreichen Kratersenken auf den Hochmooren im Inselinnern liegen zauberhafte Seen, die bei dem hier oft herrschenden Nebel fast ein wenig unheimlich wirken.

Corvo (wörtlich ›Rabe‹, gemeint ist der Kormoran, Corvus marinus) ist die kleinste und ruhigste Azoreninsel - ein fast allseits steil aus dem Meer aufragender Vulkankrater, der nur im Süden flach zur Küste ausläuft. Hier liegt Vila Nova, die einzige Ortschaft der Insel, in der gerade einmal 400 Menschen leben. Das Gefühl von Abgeschiedenheit wird beim Blick in den phantastischen Krater noch vom Eindruck des Unwirklichen übertroffen. Kein Zweifel, wer Flores besucht, sollte den Tagesausflug nach Corvo unbedingt einplanen.