Ananas
  Andreas Stieglitz

Die aus Brasilien und Paraguay stammende Ananas (Ananassa sativus), ein Bromeliengewächs, wurde Mitte des 19. Jh. als Zierpflanze auf São Miguel eingeführt. Ab 1864 erfolgte der gewerbsmäßige Anbau in Gewächshäusern, nachdem ein Parasit (Coccus hesperides) die einstmals ertragsreichen Orangenplantagen vernichtet hatte. Angebaut wird die 1860 in den Royal Botanical Gardens in Kew gezüchtete Sorte „Smooth Cayenne“, die sich durch geringen Säuregehalt und großes Aroma auszeichnet.

 Die Glasscheiben der Gewächshäuser sind zum Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung weiß getüncht; die Dächer sind schwach geneigt (etwa 33 Grad). Bis die aromatische Tropenfrucht heranreift, vergehen rund anderthalb Jahre. Während dieser Zeit brauchen die Pflanzen viel Pflege.

Es gibt zwei Wachstumsphasen: Die brolhos (Schösslinge) werden in estufim, kleinen Anzucht-Gewächshäusern, im Abstand von 10 cm herangezogen. Sie werden gut gewässert; die Temperatur wird während der ersten vier Wochen von 26°C auf 38°C angehoben. Nach sechs Monaten werden die Pflanzen in größere Gewächshäuser (estufas) umgepflanzt; sie stehen nun im Abstand von 50-60 cm. Die ersten zwei Wochen werden die Pflanzen täglich gewässert, doch wenn dann die Frucht heranwächst, wird weniger häufig gegossen. Während der abschließenden Fruchtreife wird die Bewässerung gänzlich eingestellt. Bis zur Ernte verbleiben die Pflanzen etwa zwölf Monaten in den estufas.

Damit alle Pflanzen zur selben Zeit blühen und fruchten, benutzt man das 1874 durch Zufall auf den Azoren entdeckte Beräucherungs-Verfahren. Es erfolgt etwa drei bis vier Monate, nachdem die estufas bepflanzt wurden. An vier bis acht aufeinander folgenden Abenden im Sommer (acht bis 15 Abenden im Winter) werden grüne Blätter im Innern der Gewächshäuser verbrannt, so dass dichter Rauch (fumo) entsteht. Am nächsten Morgen werden Türen und Fenster zur Belüftung geöffnet. Nach sechs Wochen beginnen die Ananaspflanzen zu blühen; ein gleichzeitiger Fruchtansatz ist die Folge. Dieses Verfahren setzte sich weltweit durch.

Erst kürzlich wurde erkannt, wie das Beräucherungs-Verfahren funktioniert. Wirksam ist das bei der Verbrennung entstehende Äthylengas, das in geringer Menge in allen pflanzlichen Geweben vorkommt. Als so genanntes Phytohormon fördert es u.a. die Fruchtreife. Inzwischen werden in manchen Ananas-Gewächshäusern auch künstliches Äthylen und Phytohormone für den gleichzeitigen Fruchtansatz eingesetzt.

Die Ananasfrucht erreicht bis zu 2,5 kg Gewicht. Der Export geht auf das portugiesische Festland und nach Madeira sowie nach Nordamerika, wo die azoreanische Tropenfrucht von den Emigranten geschätzt wird. Die Ananas von São Miguel ist zwar eine relativ teure Delikatesse, aber von unvergleichlichem Aroma. Hier gilt: probieren!